Minimalistisch wohnen

Was ist "Mindful Minimalism"?

„Weniger ist mehr”, eine Weisheit, mit der wir alle bestens vertraut sind. Besonders in der heutigen Welt, einer Gesellschaft die immer mehr vom Konsum getrieben wird, ist der Rat sehr stark im Umlauf und wird beinahe reflexartig gepredigt. Wir fragen uns deshalb: Was steckt eigentlich hinter „Weniger ist mehr” und hinter der Trend-Philosophie „Mindful Minimalism“? Denn ob Trend hin oder her, wenn es um unser Zuhause geht, und darum uns richtig wohlfühlen zu können, müssen wir Platz und Raum für Entspannung schaffen. Im wortwörtlichsten Sinne – Raum für bewusst, also mindful, ausgesuchte Wohnaccessoires, die Design & Funktion miteinander vereinen. Wer dabei auch auf Mäßigung und Nachhaltigkeit setzt, verwandelt sein Zuhause letztlich in den perfekt balancierten Wohlfühlort.


Die Interior-Stylistin und Fotografin Anna Cor lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in Berlin und macht minimalistisches Wohnen gleichsam zur Kunst. In Ihrer Wohnung und ihrem Atelier befinden sich nur Möbel und Accessoires, die hochwertig designt sind und gleichzeitig eine klare Funktion erfüllen. Dadurch bleibt das Ambiente stilvoll und zugleich wohnlich und entspannt. Wir haben sie im Interview genauer dazu befragt, wie sie Mindful Minimalism lebt und was für Kriterien sie dafür beim Shoppen von Wohnaccessoires und beim Einrichten an den Tag legt.

Anna, was würdest du jemandem empfehlen, der sein Zuhause bedachter einrichten möchte?

Zunächst finde es immer ganz wichtig, den Räumen vorher eine Funktion zuzuordnen. Und diese sollte so vergeben werden, wie es für das eigene Leben wichtig und richtig ist! Vielleicht braucht man gar kein Wohnzimmer, sondern lieber ein kleines Atelier!? Dann sollte man sich diesen Platz auch schaffen und nicht einen Raum mit einem großen Sofa „blockieren“, auf dem dann kaum jemand sitzen wird. Viel besser ist es nach Alternativen zu suchen und genau zu überlegen: Sitzen Familie und Freunde nicht vielleicht eh viel lieber an dem großen Küchentisch? Kann ich eventuell noch ein kleines Sofa in die Küche stellen? Habe ich im Schlafzimmer noch Platz für einen gemütlichen Lese-Sessel?

Wenn man sich vorher diese Gedanken macht, vermeidet man Fehlkäufe. Die kosten nur Geld und Nerven. Manchmal verändert sich das Leben natürlich und dann muss man das Interieur anpassen.

Wenn man sich bei den Accessoires etwas unsicher ist, hilft auch oft, sich ein kleines Moodboard zu machen. Man wird dann schnell ein „Muster“ erkennen: Habe ich mir viele Bilder mit bunten, eklektischen Interieurs gemerkt oder eher monochrome und sehr schlichte? Man kann so viel über die persönlichen Vorlieben herausfinden und danach sehr gezielt und nachhaltig einrichten.

Kaufst du gezielt hochwertige und zeitlose Heimtextilien, um deinen “Verbrauch” zu verringern und länger etwas davon zu haben?

Ja, das trifft tatsächlich zu! Ich mag den Gedanken, in hochwertige Qualität zu investieren, die dann lange Freude macht. Wenn Dinge dann auch noch ein zeitloses Design haben, bin ich mir sicher, dass sie mich das ganze Leben begleiten. Das ist wundervoll!

Zudem finde ich, dass Alltagsgegenstände mit herausragendem Design sogleich Teil der Dekoration sind. So braucht man nur sehr wenig zusätzliche Accessoires, um es gemütlich zu machen. Wieder ein paar Dinge weniger im Haus!

Ist dein Trick zuhause gar nicht erst zu viele Sachen anzusammeln oder eher regelmäßiges Ausmisten?

Ich versuche tatsächlich gar nicht erst viel anzusammeln, denn es ist mir auch einfach wichtig, möglichst wenig zu konsumieren. Alles wird hergestellt und von irgendwo angeliefert. Daher möchte ich nachhaltig kaufen.Wenn ich andauernd Ausmisten würde, was ich mir vor nicht allzu langer Zeit zugelegt habe, würde mich das sehr traurig machen.

Bei unseren Kindern ist das etwas anders - sie schleppen schon je nach Alter so einiges ins Haus. Die Interessen wechseln einfach noch schnell. Ich versuche dann regelmäßig zusammen mit ihnen zu schauen, was noch benötigt wird. Wovon sie sich trennen können legen wir - wie alle Nachbarn - unten in den Hausflur: eine große Tauschbörse! So können diese Dinge noch weiter genutzt werden.

Fühlst du dich selbst auch befreit, wenn dein Zuhause frei von überflüssigen Gegenständen ist?

Das ist schon sehr lange so. Meinen Mann und mich hat es genervt, wenn wir unsere freie Zeit damit verbringen mussten, einen Platz für die vielen Dinge zu finden und sie von A nach B zu räumen. So haben wir vor etwa 10 Jahren beschlossen einfach vor dem Kauf jedes Gegenstandes zu überlegen, ob wir ihn wirklich brauchen.

Das hat dazu geführt, dass die Wohnung über die Jahre hinweg leerer geworden ist. Das fühlt sich für mich sehr gut an, denn ich bin in einer aufgeräumten Wohnung tatsächlich viel klarer und ruhiger und kann mich besser auf das konzentrieren, was ich gerade mache. Sei es arbeiten oder mit den Kindern ein Spiel zu spielen.

Alle Fotos von Anna Cor


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